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Christopher Dell
(mit Ladi Geisler)

Christopher Dell vib
Carsten Daerr p
Oliver Potratz b
Eric Schäfer dr
Ladi Geisler git

Weill, Eissler, so lauten die Namen der wichtigsten deutschen
Liedkomponisten des 20. Jahrhunderts. Und: Bert Kämpfert. Mit seinen
Melodien, Atmosphären und dem für seine Zeit neuartigen Raum-Klang-Konzept
bewegt Kämpfert Millionen weltweit.

Die ganz spezifische Eigenständigkeit seiner Kompositionen hat mich als
Problemstellung fasziniert. Auch Kämpferts Art, Musik als Designobjekt zu
interpretieren war für mich ein reivoller, künstlerischer Aspekt.

Im Rahmen der Bearbeitung, der Aneigung, war es mir wichtig, aus den
Kämpfert Kompositionen ein zeitgenössisches Projekt zu formen. Das bedeutet
konkret, dass wir weder auf Raum (Kämpfert) noch auf Struktur (Jazz)
spielen, sondern uns ganz der Farbe widmen. Durch diesen eher
impressionistischen Ansatz tritt die Musik nicht in Konkurrenz zum Original
sondern entwickelt ihre eigene spezifische Aussage.

Die Stücke wirken wie freigelegte Monumente aus einer anderen Zeit. Als
wären sie die Architektur eines fast zerfallenen Gebäudes, dass seinen
morbiden Charme erst auf den zweiten Blick freigibt. Aus der Stille der
Gemäuer klingen die Atmosphären, Stimmen derjenigen zu uns, die hier einst
lebten. Vor dem Hintergrund dieser Stimmung erhält der Titel "The World We
Knew" seine ganz eigene Bedeutung und gibt dieser Konzeption einer
zurückgenommenen Archäologie ihre Geschlossenheit.

Es gibt einen Musiker, der den Sound von Bert Kämpfert entscheidend
mitprägte: der Gitarrist Ladi Geissler. Ich bin glücklich, dass er sich in
dieser Band mit seiner Kreativität und Eleganz so intensiv einbringt.

Christopher Dell lebt in Berlin. Er gilt laut Reclam Jazzlexikon als der
führende Vibraphonist seiner Generation. Dell gehört zu jenen Musikern, die
sich ebenso selbstverständlich im Kontext freier Improvisation und neuer
Musik wie im Jazz bewegen. Gleichzeitig hat er einen unverwechselbaren Stil
entwickelt, sein Spiel besticht durch Reife und Persönlichkeit.

Als Solist arbeitete er u.a. in der WDR und NDR Big Band, dem HR
Jazzensemble, mit Benny Golson, Kenny Wheeler, Lee Konitz, Bob Brookmeyer
und war beteiligt an Projekten wie dem Klaus König Orchester, dem Heinz
Sauer Quartett und Theo Jörgensmann Quartett. Dell ist und war beteiligt an
zahlreichen CD-Veröffentlichungen und Tourneen, u.a. in Kanada, China,
U.S.A., Japan, Indien, Afrika und Südamerika. Seine Arbeit wurde mit
zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wie z.B. dem Downbeat Allstar Award,
Preis der Deutschen Schallplattenkritik und dem JazzArt-Award - Musik des
21.Jahrhunderts.

2005 erhielt Dell den erstmals vergebenen Darmstädter Musikpreis. Der Jazzer
gehöre "zu den bedeutendsten improvisierenden Musikern Deutschlands", so die
Jury. Der Vibraphonist, Komponist und Improvisationstheoretiker sei
"momentan ohne Zweifel der interessanteste Musiker seines Instrumentes in
Europa".

Er veröffentlichte 2002 das Buch "Prinzip Improvisation" und ist seit 2000
Leiter des ifit, Institut für Improvisationstechnologie, Berlin. Seit 2006
ist er Lehrbeauftragter für Architekturtheorie an der Universität der
Künste, Berlin.





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