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Huong Thanh

Huong Thanh wurde in Saigon, Viêt-nam, geboren und stammt aus einer Familie angesehener traditioneller Musiker. Ihr Vater, Huu Phuoc (gest. 1997) war einer der berühmtesten Sänger des Erneuerten Vietnamesischen Theaters, Cai Luong, einer Art Oper, die traditionelle Gesangs-, Tanz- und Theaterelemente miteinander verbindet. Cai Luong wurde 1916 von einer Gruppe von Musikliebhabern aus dem Süden geschaffen: Sie verknüpften traditionelle Theaterformen Nordviêtnams, Hat Boi und Hat Cheo, mit Kammermusik aus dem Süden und Elementen französischer Musik. Cai Luong war seit den dreißiger Jahren sehr populär, doch beginnt die junge Generation in Viêt-Nam, das Interesse an dieser Musikform zu verlieren. Huong Thanhs Schwester Huong Lan, die in den Vereinigten Staaten lebt, ist ebenfalls eine der berühmtesten vietnamesischen Sängerinnen, sowohl des Cai Luong wie auch traditioneller und moderner Musik.

Im vietnamesischen Gesang herrscht eine besondere und sehr enge Verbindung zwischen Melodie und Text: Da es sechs linguistische Tonhöhen gibt, kann ein und dieselbe Silbe unterschiedliche Bedeutungen annehmen, und der lyrische Text besitzt so eine ganz eigene Musik. Der Sänger aber muß die Emotionen beider Melodien ausdrücken können. Huong Thanh verkörpert die Besonderheiten des traditionellen vietnamesischen Gesangs, der reich an feinsten Modulationen und Verzierungen ist und sowohl Kunstfertigkeit wie ein breites Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten und Timbres erfordert.

Bereits im Alter von zehn Jahren wurde Huong Thanh innerhalb ihrer Familie in Cai Luong und traditionellem Gesang ausgebildet. Auch verkehrten in ihrem Elternhaus viele bekannte Sänger und Musiker, von denen sie direkt unterrichtet wurde. Mit 13 setzte sie ihre Ausbildung an Saigons Musik- und Theaterschulen fort und trat mit 16 Jahren zum ersten Mal öffentlich auf.

1977 ging sie nach Paris und ist seither immer wieder zusammen mit großen traditionellen Künstlern - darunter auch ihrem Vater - in Cai Luong--Aufführungen quer durch Europa (Frankreich, Deutschland, Schweiz und Belgien) aufgetreten. Bei jedem ihrer Besuche in Viêt-Nam machte sie mit den besten Musikern des Landes Plattenaufnahmen. 1995 traf sie Nguyên Lê, der sie mit der für sie bis dahin unbekannten Welt des Jazz vertraut machte. Das Abenteuer Tales from Viêt-Nam begann - die Gruppe tourte auf den wichtigsten Festivals in Frankreich, Italien, Deutschland, Portugal, England und der Schweiz. Die 1996 entstandene CD (ACT 9225-2) wurde von der internationalen Kritik begeistert aufgenommen. Diapason dor, Choc du Monde de la Musique, Choc of Year 1996 Jazzman (Frankreich) , zweitbeste CD 96 in Jazzthing (Deutschland), Beste CD 96 auf Radio TRS (Schweiz), ein kleines Meisterwerk: Jazztimes (USA)



Beim Festival der Banlieues Bleues, Paris, konnte man Huong Thanh 1996 in einer Show erleben, die traditionelle und zeitgenössische vietnamesische Tänzer mit dem Ensemble von Tales from Viêt-nam zusammenbrachte. Sie trat nicht nur wie gewohnt als Sängerin, sondern auch als Tänzerin mit dem traditionellen Schwertertanz Trung Trac Trung Nhi auf, in dem zwei Schwestern, Heldinnen Viêt-nams, ihre Truppen auf den Kampf vorbereiten. Im selben Jahr wurde Huong Thanh von der UNESCO eingeladen, bei der Feier zum Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte mitzuwirken. 1997 machte sie in Los Angeles Plattenaufnahmen mit ihrer Schwester Huong Lan. 1998 war sie auf Nguyên Lês jüngster CD Maghreb & Friends (ACT 9261-2) mit dem Song Louanges, einer Komposition des algerischen Musikers Karim Ziad, zu hören: Der Text wurde vom Arabischen ins Vietnamesische übersetzt und zwischen ihr und den nordafrikanischen Sängern entstand eine Art Wechselgesang.

Einige arbeitsreiche Monate später, präsentiert sie nun Moon and Wind, ihre erste CD für ACT, produziert, geschrieben und aufgenommen von Nguyên Lê. Moon and Wind ist eine friedvolle Hymne auf alle Arten der Liebe: die Kinderliebe (mit Wiegenliedern aus verschiedenen Regionen Viêt-nams), die Elternliebe, die Liebe zwischen Geliebten, die Liebe zum weit entfernten Vaterland.

Diskographie

Traditionelle Musik Chuyên Ba Nguòi 1995 Chuyên Phim Buôn 1996 Duyên Ta Nhu Mây 1996 To Duyên 1996 Suo Em No Vôi Lây Chông 1998

World Jazz TALES FROM VIET NAM Nguyên Lê (1996) ACT 9225-2 MAGHREB & FRIENDS Nguyên Lê (1998) ACT 9261-2 MORE MAGIC IN A NOISY WORLD (1997) ACT 9250-2 compilation MOON AND WIND Huong Thanh (1999) ACT 9269-2

Pressestimmen Huong Thanh wurde in Saigon geboren und stammt aus einer Familie angesehener traditioneller Musiker. Sie hat eine der schönsten Stimmen der vietnamesischen Gemeinde in Frankreich. Fara C., Humanité Dimanche, 24.8.1995

Die zarte, leidenschaftliche und ätherische Stimme von Huong Thanh bekommt durch das Wechselspiel und die Verschmelzung verschiedener Kulturen einen besonderen Klang. Global Beat, Jazz,Roots, Rhythms (Internet)

In Huong Thanhs Gesang kommt eine Entschlossenheit zum Ausdruck, die die Zuhörer aufhorchen und ihr höchste Aufmerksamkeit zollen läßt. Jim Trageser, North County Times, Dezember 1996

Moon and Wind New sounds from Viêt-Nam created by Nguyên Lê ACT 9269-2

Neue Klänge aus der Welt

Laßt uns den Begriff World Music noch einmal definieren: Für mich bedeutet er die neue Identität der Kinder der Diaspora, die sich aus den Strömungen des Hier und Jetzt und der Suche nach den ältesten Traditionen zusammensetzt. Im Westen lebend, haben wir gelernt, die Erscheinungsformen dieser Zivilisation in uns aufzunehmen und eine neue Kultur zu schaffen, eine, die uns entspricht und ohne die wir nicht auskommen können. Von Tales from Viêt-Nam bis zu Moon and Wind habe ich immer wieder versucht, ein Geflecht von Begegnungen entstehen zu lassen, bei denen jeder, auf dem Hintergrund seiner eigenen Kultur, das Beste von sich geben kann. Es gibt noch so viele Dinge zu sagen und miteinander zu teilen! Nguyên Lê

Im Osten etwas Neues...

Huong Thanh ist für die Liebhaber traditioneller vietnamesischer Musik keine Unbekannte. Als Tochter von Huu Phuoc, dem großen Sänger des cai luong (1), sind ihr die fließenden Arpeggios der 16-saitigen Zither, dàn tranh, oder die melancholischen Töne des Monochords, dàn bàu, bestens vertraut. Aber sie will mehr, als bloß in die Fußstapfen ihrer Vorfahren treten: Sie will nicht nur alle musikalischen Traditionen Viêt-Nams, seien sie aus dem Norden, dem Zentrum oder dem Süden, aufgreifen und interpretieren, sondern sich auch der Welt und dem Zeitgenössischen öffnen. Allen Vorurteilen der Puristen zum Trotz, zögert sie nicht, sich alle Musikrichtungen und Repertoires zu eigen zu machen.

Moon and Wind, ihr erstes Soloalbum, das von ihrem Produzenten und Freund Nguyên Lê realisiert wurde, hält überraschende Begegnungen bereit: In One River, Two Streams, einem Liebeslied, das wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert stammt, wird Huong Thanh von dem Berber Karim Ziad auf seiner gumbri (2) begleitet (er schuldete ihr diesen Gefallen, denn sie war ihm 1998 für seine Komposition Louanges auf der CD Maghreb & Friends, ACT 9261-2, zur Verfügung gestanden). In The Soaring of the Heron, einem Lied, das alle Vietnamesen früher geträllert haben, begegnen wir einem unerwarteten Gast: dem allgegenwärtigen Flamenco-Musiker Tino di Geraldo aus Madrid, mit seinen palmas (3) und seinem cajón (4). Welch glücklicher Zufall - wenn man das Zufall nennen kann: hier treffen sich zwei Musiker mit derselben Intensität des Gefühls - die Sinnlichkeit des Flamenco spiegelt sich in der Stimme von Huong Thanh wieder.

Verbindungen und Begegnungen also, die alle von Nguyên Lê inszeniert wurden, auf dessen Platte Tales From Viêt-Nam (ACT 9225-2) Huong Thanh bereits 1996 zu hören war, und ohne den sie diesen Schritt wohl nicht gewagt hätte... Beide sind sich daran einig, daß die Verschmelzung verschiedener Kulturen alles andere als einen Verlust an Kultur bedeutet - unter der Voraussetzung allerdings, daß ein wirklicher Austausch stattfindet, daß ein wechselseitiges Verständnis für den anderen und die andere Kultur vorhanden ist und es nicht nur um eine oberflächliche Fusion zu kommerziellen Zwecken geht.

Noch einmal: Huong Thanh ist ein Kind der Tradition, aber gleichzeitig kommt sie aus der Gegend des Mekong, wo sich schon immer verschiedenste Kulturen miteinander vermengt haben. So wie den ersten vietnamesischen Siedlern, die aus dem Norden kamen und die Traditionen der dort lebenden Chinesen, Cham, Khmer und Montagnards assimilieren mußten, so geht es heute auch Huong Thanh. Als Vietnamesin im Ausland - sie lebt seit 1977 in Paris - hat sie den Kontakt mit dieser neuen Welt als eine Bereicherung erfahren und hier eine zweite Heimat gefunden.

Durch die Schönheit ihres Gesangs erinnert Huong Thanh diejenigen, die es vergessen haben sollten, daran, daß Viêt-Nam trotz seiner regionalen Unterschiede ein Land ist, und daß dieses südostasiatische Land an der universellen Kultur teilhat. Sean James Rose

(1) cai luong: Erneuertes Theater - eine gesungene und getanzte Theaterform, die 1916 in Südviêt-nam entstanden ist
(2) gumbri: dreisaitige Laute, der Baß der Wüste, typisch für Gnawa-Musik
(3) palmas: bestimmte Kombinationen von rhythmischem Händeklatschen
(4) cajón: Holzschachtel, das wichtigste Schlagzeug beim Flamenco



Pressestimmen

Huong Thanh wurde in Saigon geboren und stammt aus einer Familie angesehener traditioneller Musiker. Sie hat eine der schönsten Stimmen der vietnamesischen Gemeinde in Frankreich. Fara C., Humanité Dimanche, 24.8.1995

Die zarte, leidenschaftliche und ätherische Stimme von Huong Thanh bekommt durch das Zusammenspiel der Musiker und die Verschmelzung verschiedener Kulturen einen ganz besonderen Klang. Global Beat, Jazz, Roots, Rhythms (Internet)

Die vietnamesischen Färbungen des Gesanges von Huong Thanh zogen unsere Aufmerksamkeit mit Macht in ihren Bann. Donald V. Adderton, The Sun Herald MS, Nov. 1996

In Huong Thanhs Gesang kommt eine Entschlossenheit zum Ausdruck, die die Zuhörer aufhorchen und ihr höchste Aufmerksamkeit zollen läßt. Jim Trageser, North County Times, Dez. 1996


Die CD: Huong Thanh - Moon And Wind - New Sounds From Viêt-Nam Created by Nguyên Lê - ACT 9269-2 LC 7644


aktuelles live Project:

Huong Thanh vocals Nguyên Lê electric & acoustic guitars, fretless bass, synths & computer Hao Nhiên Pham bamboo flute, 3-stringed lute François Verly Perc, Tablas, Synth.





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record company: indigo - label bleu